Als 1999 Baiba Skride in der vollbesetzten Ahlbecker Kirche beim Usedomer Musikfestival spielte, war sie noch Studentin an der Rostocker Musikhochschule und am Anfang ihrer Karriere. In diesem Jahr freuen wir uns auf die international gefeierte Geigerin als artist in residence. Am 25. September wird sie zusammen mit dem Baltic Youth Philharmonic unter der Leitung von Neeme Järvi in Peenemünde das 17. Usedomer Musikfestival eröffnen. Bis zum 16. Oktober zeigen lettische Künstler, dass sie eine der musikalischsten Nationen sind.
Es gibt kaum einen Letten, der nicht wenigstens ein Mal in einem Chor gesungen hat. Musik ist Ausdruck des lettischen nationalen Charakters, der Seele und des eigenen Stils. Durch die Singende Revolution erlangte der baltische Staat seine Unabhängigkeit. Das flächenmäßig kleine Lettland setzt bemerkenswerte Akzente in der internationalen Musikszene. Der Geigerin Baiba Skride gelang ihr Durchbruch 2001 mit dem Gewinn des 1. Preises beim renommierten Queen-Elisabeth-Wettbewerb. Mittlerweile ist sie in Europa, Japan und den USA eine gefragte Interpretin. Sie spielte mit Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, dem London Philharmonic Orchestra, dem Orchestre de Paris und dem Philadelphia Symphony Orchestera und arbeite u.a. mit Herbert Blomstedt, Sir Neville Marriner und Andris Nelsons. Das BBC Music Magazine bescheinigte ihr einen Klang, der an die goldenen Zeiten von Heifetz, Kreisler und Milstein erinnert. Sie tritt nicht nur als Solistin auf, sondern widmet sich ausgiebig der Kammermusik, oft gemeinsam mit ihren Schwestern Linda (Viola) und Lauma (Klavier). Beim Usedomer Musikfestival sind die drei Skrides zusammen mit dem Cellisten Julian Steckel am 28. September in Ahlbeck zu erleben. Einen Abend später geben Baiba und Lauma ein Dou- Recital in Krummin.
Die Vielfalt der lettischen Musikszene versucht das von Intendant Thomas Hummel und Dramaturg Jan Brachmann zusammengestellte Programm so weitreichend wie nur möglich abzubilden: Von Klassik bis Moderne, von Alter Musik bis zu Lettischem Flamenco. Freuen darf man sich auf den herausragenden Geiger Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica (ensemble in residence), Bassbariton Egils Silinš, Organistin Iveta Apkalna sowie den Lettischen Rundfunkchor. Das zweite Peenemünder Konzert am 16. Oktober mit Werken von Tschaikowsky und Beethoven bildet den Abschluss der Musiklandsaison 2010.Teodor Currentzis leitet das NDR Sinfonieorchester. Solist ist Lettlands erfolgreichster junger Pianist Vestards Šimkus.
Eine besondere Gewichtung innerhalb des Festivalprogramms erhält Fryderyk Chopin. Im Jahr seines 200. Geburtstages ist es für das Usedomer Musikfestival auf der deutsch-polnischen Insel ein besonderes Anliegen, den polnischen Komponisten und Pianisten zu würdigen. Am Eröffnungswochenende wird Boris Berezovsky, zweifacher ECHO-Preisträger, in Heringsdorf Chopinsche Werke interpretieren. Zuvor nähert sich Feuilletonist Joachim Kaiser im Gespräch mit Manfred Osten dem Leben und Wirken des Komponisten. Die Pianistin Ewa Kupiec wählte für ihr Konzert am 30. September in der Swinemünder Christuskirche ein besonderes Programm aus: zu hören sind die zwei Klavierkonzerte von Chopin in der Fassungen für Klavier und Streichquartett.
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