
Hellmuth Karasek
Literaturkritiker und Schriftsteller Hellmuth Karasek trifft zu den 2. Usedomer Literaturtagen Ende März 2010 auf Kritikerkollegen Joachim Kaiser, der bereits im April zu den diesjährigen Literaturtagen und im September zum Usedomer Musikfestival auf der Insel zu erleben war. Die beiden renommierten Journalisten werden sich auf ihre gemeinsame Vergangenheit in Bezug auf die Gruppe 47 beziehen. Die Usedomer Literaturtage widmen sich damit auch 2010 der Gruppe 47, deren Spuren durch Gründer Hans-Werner Richter bis auf die Insel Usedom zu verfolgen sind.
Hellmuth Karasek, in Brünn geboren, vor der Roten Armee aus Ost-Oberschlesien geflohen, lebte in Bernburg an der Saale und übersiedelte nach dem Abitur in die Bundesrepublik Deutschland. Als angesehener Journalist und Schriftsteller leitete er über 20 Jahre lang das Kulturressort des Spiegel, war Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegel und ist jetzt Autor von Welt und Welt am Sonntag. Er veröffentlichte u.a. Go West, eine Biographie der fünfziger Jahre (1996), die satirischen Glossen Mit Kanonen auf Spatzen (2000), seine Erinnerungen Auf der Flucht (2004), den Bestsellererfolg Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten (2006) sowie Vom Küssen der Kröten (2008). Große mediale Aufmerksamkeit erlangte Karasek durch eindrucksvolle Buchdiskussionen mit Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett.
Die Usedomer Literaturtage 2010 bewegen sich thematisch entlang eines Grenzflusses, der wir kaum ein anderer Fluss den historischen und politischen Wandel innerhalb Europas widerspiegelt: die Oder. Während des Kalten Krieges schien sie unüberwindlich und trennte Deutsche und Polen. Seit der Aufnahme Polens in die Europäische Union fließt sie wieder mitten durch das Zentrum Europas und verbindet Kulturen an ihren beiden Ufern. Es ist eine glückliche, erneute Verbindung, die jedoch durch die Trennung Blessuren aufweist und zahlreiche Anknüpfungspunkte für literarische Auseinandersetzungen bietet.
In früheren Jahrhunderten galt die Oder als Lebensader eines Gebietes, das an kulturellem Reichtum kaum zu überbieten war. Schlesien mit seiner Hauptstadt Breslau bildete für mehr als 200 Jahre ein wichtiges literarisches Zentrum Europas. Schriftsteller wie Andreas Gryphius, Joseph von Eichendorff, Gerhart Hauptmann und Horst Bienek zeugen als Vertreter ihrer schlesischen Heimat von der literarischen Fruchtbarkeit dieser Region bis in das 20. Jahrhundert hinein. Die Usedomer Literaturtage 2010 bewegen sich sowohl geografisch als auch historisch entlang der Oder, die auf natürlichem Wege Schlesien mit der Insel Usedom verbindet.
Die Premiere der Usedomer Literaturtage in diesem Jahr endete mit großem Erfolg: Alle Veranstaltungen der viertägigen Literaturreihe waren ausverkauft und wurden mit zusätzlicher Bestuhlung erweitert. Mit einem über den Erwartungen liegenden Zuschauerinteresse konnten die Literaturtage regional und überregional große Aufmerksamkeit wecken.
Die Usedomer Literaturtage machen neugierig auf das Entdecken der gemeinsamen Geschichte und zeigen durch Austausch und Diskussion wie tief die Freundschaft zwischen Polen und Deutschen, fern ab der politischer Machtszenerie, ist. Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf und stehen unter der Kulturpartnerschaft von NDR Kultur. Wie 2009 übernahm der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft.
Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Weitere Informationen sind unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.