
„Künstler des Landes wie Gidon Kremer und die Kremerata Baltica, Baiba, Lauma und Linda Skride, Bassbariton Egils Silinš, Organistin Iveta Apkalna, Pianist Vestards Šimkus sowie der Lettische Rundfunkchor prägen die internationale Musikszene und sind zum Usedomer Musikfestival zu erleben", so Intendant Thomas Hummel. Bewegt zeigt sich auch S.E. Ilgvars Kļava, Lettischer Botschafter in Deutschland: „Musik half den Letten zur Bewahrung der Identität und ist Ausdruck des lettischen nationalen Charakters, der Seele und des eigenen Stils." Auf der deutsch-polnischen Insel Usedom beheimatet, widmet sich das Festival in diesem Jahr zusätzlich dem 200. Geburtstag von Fryderyk Chopin in Veranstaltungen mit den bemerkenswerten Pianisten Boris Berezovsky und Ewa Kupiec sowie Musikkritiker und Schriftsteller Joachim Kaiser. Den diesjährigen Preis des Usedomer Musikfestivals, gefördert von der Oscar und Vera Ritter-Stiftung, erhält das Almandin Quartett.
Eröffnet wird das Usedomer Musikfestival am 25. September in Peenemünde mit dem vom Festival und der Nord Stream AG 2008 gegründeten Baltic Youth Philharmonic. Zum ersten Mal vertraut Gründungsdirigent und Musikdirektor Kristjan Järvi die Leitung des Orchesters seinem berühmten Vater, Neeme Järvi, an. Solistin ist die Geigerin Baiba Skride, artist in residence. Die talentierten Studenten aller zehn Ostseenationen interpretieren Werke von Sibelius, Tschaikowsky und des diesjährigen composer in residence, Pēteris Vasks. Das zweite Peenemünder Konzert am 16. Oktober, mit Werken von Tschaikowsky und Beethoven, bildet den Abschluss der Musiklandsaison 2010. Teodor Currentzis leitet das NDR Sinfonieorchester. Solist ist Lettlands erfolgreichster junger Pianist Vestards Šimkus, der zudem einen Klavierabend mit lettischen Kompositionen geben wird.
Die Vielfalt der lettischen Musikszene versucht das von Intendant Thomas Hummel und Dramaturg Jan Brachmann zusammengestellte Programm so weitreichend wie nur möglich abzubilden: Von Klassik bis Moderne, von Alter Musik bis zu Lettischem Flamenco. Als artist in residence zeigt sich Baiba Skride in der ersten Festivalwoche als Solistin im Eröffnungskonzert und als passionierte Kammermusikerin: im Duo mit ihrer Schwester Lauma (Klavier) und im Quintett, komplettiert durch ihre Schwester Linda (Viola) und Julian Steckel (Violoncello). Die letzte Woche wird von Gidon Kremer und der Kremerata Baltica, dem diesjährigen ensemble in residence, bereichert. Dieses Kammerorchester eroberte die Klassikszene im Sturm, wurde mit Auszeichnungen geehrt und tourt erfolgreich in Konzerthäusern und auf Festivals weltweit. Das von Gidon Kremer gegründete Ensemble mit Musikern aus dem Baltikum beeindruckt durch interpretatorische Qualität und immer wieder spannende, raffinierte Programmgestaltung. Zum Usedomer Musikfestival darf man auf zwei Abende (13. und 14. Oktober) gespannt sein.
Lettland als Nation des Gesanges mit einem Volksliederschatz von 1.2 Millionen Texte und 30 000 Melodien setzt solistisch wie chorisch internationale Maßstäbe. Zum Musikfestival wird Egils Silinš, der erfolgreichste Bassbariton des Landes, der auf Bühnen in Wien, New York und Mailand bejubelt wird, einen Liederabend gestalten (8.10.). Der Lettische Rundfunkchor und der Mädchenchor „Cantus" vervollständigen die Gesangssparte. Für einen weiteren Höhepunkt sorgt das lettisch-dänische Bläserenemble „Carion", das seinem Publikum mit einzigartiger Performance einen neuen Zugang zum klassischen Repertoire für Bläserquintett ermöglicht. Zwei Ausstellungen „Konzerttradition an der Ostsee" und „Malerisches Lettland" sowie ein Vortrag zur Musikkultur des baltischen Staates runden den Lettland-Schwerpunkt ab.
Eine besondere Gewichtung innerhalb des Festivalprogramms erhält Fryderyk Chopin. Im Jahr seines 200. Geburtstages ist es für das Usedomer Musikfestival auf der deutsch-polnischen Insel ein besonderes Anliegen den polnischen Komponisten und Pianisten zu würdigen. Als Pianist wurde er von seinen Zeitgenossen als vollkommener Virtuose mit überschwänglichem Lob bedacht - als Komponist für seine harmonische Kühnheit bewundert. Boris Berezovsky, zweifacher ECHO-Preisträger, interpretiert die Klavierwerke im Sinne Chopins: mit brillanter Technik, feiner Durchsichtigkeit und zurückhaltender Grazie. Am 26. September ist er in Heringsdorf zu erleben. Zuvor wird sich Feuilletonist Joachim Kaiser im Gespräch mit Manfred Osten dem Leben und Wirken des Komponisten nähern. Chopin schrieb seine Klavierkonzerte in jungen Jahren und führte sie im kleinen Kreise auf. Diese Tradition greift Ewa Kupiec im Konzert am 30. September in der Swinemünder Christuskirche auf: zu hören sind die Fassungen für Klavier und Streichquartett. Elemente der polnischen Volksmusik nahm Chopin kunstvoll auf. Er spielt mit der Rhythmik und lässt aus den Mazurken Charakterstücke entstehen. Pianist Nils Henrik Asheim geht am 2. Oktober in Heringsdorf einen Schritt weiter und zaubert mit Klangfarben und Rhythmen der Zigeunermusik ein einzigartiges Mazurka-Programm. Eine Premiere ist am 5. Oktober, ebenfalls in Heringsdorf, zu erleben. Der ungarische Pianist Gergely Bogányi wird das gesamte Chopinsche Klavierwerk auswendig vorbereiten und nach Wunsch des Publikums den Abend gestalten. Einen Tag später wird er mit der Polnischen Kammerphilharmonie in Swinemünde gastieren. Darüber hinaus liest Eva Gesine Bauer am 6. Oktober aus ihrer in diesem Jahr erschienen Biografie des Jubilars.
Die Chopin-Programmatik ist Teil des Projektes „Grenzklänge", mit dem das Festival die deutsch-polnische Zusammenarbeit vertieft und den kulturellen Austausch auf der Insel Usedom fördert. Ergänzt werden die „Grenzklänge" mit Workshops, einer Exkursion zum Szceciner Schloss (7. Oktober), und einem Gottesdienst.