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Fund einer V2-Spitze nördlich von Kröslin

Der Fund hatte es in sich: Es handelte sich um eine verhältnismäßig gut erhaltene Raketenspitze einer Test-V2-Rakete aus der Zeit des 2. Weltkriegs.
Möglicherweise wurde das Mysterium um einen Flug aufgeklärt, der die Experten im Museum schon lange beschäftigte: Laut Schussbericht fand am 19. Februar 1943 in der Heeresversuchsanstalt auf dem Prüfstand VII, im Nordosten Usedoms, der dreizehnte Versuchsstart einer V2-Rakete statt. Die Startnummer war wohl ein böses Omen, denn bei diesem Test klappte nichts. Die Rakete sollte eigentlich einen 200 Kilometer langen Probeflug entlang der pommerschen Küstenlinie absolvieren. Im Heck der Rakete brach jedoch ein Feuer aus, die Umlenkung versagte und sie flog stattdessen in südwestliche Richtung. Die Rakete stürzte nach nur 4,8 Kilometern Flug ab. Der Fund der Raketenspitze legt nahe, dass der ominöse Versuchsstart tatsächlich so abgelaufen ist. Einige Punkte bleiben jedoch nach wie vor offen.
Ein Fischer informierte die Wasserschutzpolizei-Inspektion Wolgast am 30. März 2011, dass im Schilf nördlich von Kröslin ein ungewöhnliches Objekt lag, was dort eigentlich nichts zu suchen hatte. Die Wasserschutzpolizei hatte sofort festgestellt, dass es sich womöglich um Munitionsüberreste aus dem 2. Weltkrieg handelte und alarmierte den Munitionsbergungsdienst in der Mellenthiner Heide. Mit Hilfe des Tonnenleger „Oie" vom Wasserschifffahrtsamt Stralsund wurde das Objekt noch am selben Tag zum Tonnenhof im Hafen Karlshagen verbracht. Am nächsten Tag ist das Objekt eingehend von Experten des Munitionsräumungsdienstes untersucht worden und wurde erfreulicherweise für ungefährlich befunden. Der Testkörper führte keinen Sprengstoff mit. Wie bei allen anderen Raketenstarts in Peenemünde war die Spitze mit Bitumen oder Sand gefüllt, die das Gewicht des Sprengstoffs simulierten. Bei den Erprobungsflügen auf Usedom ging es um die Erforschung der Flugeigenschaften der Rakete. Ein stabiler und sicherer Flug der V2 mit einer bestimmten Nutzlast sollte gewährleistet werden, eine Beladung mit Sprengstoff war deshalb nicht notwendig.
Am 14. April 2011 erreicht die Rakete schließlich das HTM. Seitdem wird der Fund aus den 1940er Jahren in der Restaurierungswerkstatt des Museums verwahrt. Dort wird der Zustand des Objekts genauestens dokumentiert und verschiedene Möglichkeiten der Konservierung abgewogen. Bemerkenswert an diesem Exemplar sind zum einen die zusätzlich auf der linken und rechten Seite angebrachten Montagelöcher, zum anderen zeigt die Rakete einen außergewöhnlichen Zustand. Abgesehen von den Verwitterungsschäden, die der beinahe siebzigjährigen Verweildauer im Schilfbereich geschuldet sind, scheint die Spitze bemerkenswert gut erhalten. Es gibt keinerlei Deformationsschäden, die eigentlich aufgrund des Aufpralls nach dem verfehlten Flug vorhanden sein müssten. Dieser Umstand ist auch der entscheidende Punkt der noch der Glaubwürdigkeit des im Schussbericht dargestellten Geschehens widerspricht.
Das HTM Peenemünde verfügt zusammen mit dieser nunmehr über vier Original-Spitzen von V2- Raketen: Zwei sind im Eingangsbereich des Kraftwerk- Querflügels untergebracht, in dem sich die Dauerausstellung des Museums befindet. Die dritte Spitze wurde dem originalgetreuen Nachbau einer V2-Rakte im Bereich der Großexponat-Zeitinsel des HTM, neben weiteren historischen Bestandteilen, beigefügt. Derzeit ist geplant, die neue Raketenspitze nach ihrer Sicherung bzw. Konservierung im Schaumagazin des Filmsaals neben der Restaurationswerkstatt aufzustellen.

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